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Von Apotheker Thomas Knaier

ALOE VERA - Renaissance als Nahrungsergänzung

Aloe vera erfährt in jüngster Zeit eine bemerkenswerte Renaissance im Rahmen der Nahrungsergänzung. Innerhalb eines Jahres von 1996 auf 1997 stiegen Aloe- Produkte, laut dem U.S. Magazin WHOLE FOODS, in der Verkaufsstatistik pflanzlicher Nahrungsergänzungsmittel von Rang 12 auf Rang 6. Doch nicht alles, was als Aloe Vera angeboten wird, verdient wirklich diese Bezeichnung. Dabei sind die Wirkungen seit 6000 Jahren bekannt. Über 200 biologisch aktive Substanzen haben Wissenschaftler in Aloe vera identifiziert. Betrachtet man die zahlreichen überlieferten Informationen wie auch die neueren Forschungser-gebnisse, so zeigt sich, dass die Effekte der Aloe vera vielgestaltig und vielfältiger Natur sind. Die außergewöhnliche, naturgegebene Komposition der Vitalstoffe macht Aloe vera in der Tat zu einem idealen Nahrungsergänzungsmittel.

Wissenswertes zur Aloe - Pflanze

Aloe vera (botan.: Aloe barbadensis Miller) gehört zur Familie der Liliengewächse. Sie wird auch Wüstenlilie oder "Jungbrunnen aus der Wüste" genannt und gedeiht auf Wüstenboden. Im Inneren der Blätter, dem Blattmark speichert die Pflanze über 160 verschiedene Nähr- und Vitalstoffe.
Seit vielen Jahrhunderten wird Aloe - vera Saft daher als Heilmittel und Auszug zur Körper - und Schönheitspflege sehr geschätzt. Das Blattmark ist nach außen durch eine besondere Struktur (Cuticula) vor Austrocknung, vor UV-Strahlen, sengender Sonne und vor nächtlicher Kälte gleichermaßen abgeschottet. Was für den Stoffwechsel und das Überleben der Pflanze notwendig ist, wird also im Blattmark der Pflanze gespeichert. Dieses erstaunliche Feuchtigkeits- und Vitalstoffdepot macht die Aloe-Pflanze robust und widerstandsfähig - zu einer wirklichen Überlebenskünstlerin. Sie gilt als eine der erstaunlichsten Schöpfungen der Natur.
Es ist daher nicht überraschend, dass sich das Blattmark von Aloe vera hervorragend für die Gewinnung von Säften mit gesundheitsfördernden Eigenschaften eignet. Unsere Großmütter nannten Sie "Erste -Hilfe -Pflanze". Die Nomaden Afrikas nennen sie "Lilie der Wüste", die Russen "Lebenselixier" bei den Amerikanern heißt sie "The silent Healer" oder "Doktor Aloe" und bei den Maya - Indianern "Quelle der Jugend". Heute ist bekannt, dass keine andere Pflanze mehr feuchtigkeitsspendende und hauterneuernde Vitalstoffe enthält, wie Aloe vera. Dies begründet die bereits sprichwörtliche "Gesundheit und Schönheit von innen" bei Einnahme von Aloe Vera -Saft. Aloe vera - Präparate sind jedoch reine Nahrungsergänzungsmittel und dürfen nach dem Heilmittelwerbegesetz nicht mit dem Anspruch einer Indikation werben.

Historisches

Erste Aufzeichnungen zu Aloe sind bereits etwa 6000 Jahre alt. Von der Zeit der Pharaonen, Römer und Inkas bis zur Neuzeit ist in historischen Aufzeichnungen die Geschichte der Aloe vera niedergelegt. In der Bibel finden sich mehrere Hinweise auf die heilende Kraft der Pflanze.

Im alten Ägypten hieß Sie "das Blut der Götter", die Inder verehrten Sie als Geschenk der Götter. Cleopatra und Nofretete schätzten Ihren schönheits- und gesundheits-fördernden Saft. Marco Polo lernte Sie auf seinen Schiffsreisen kennen, Alexander der Grosse ließ Aloe in Wagen pflanzen, um stets frische Vorräte auf seinen Feldzügen dabei zu haben. Christopher Columbus führte Blumentöpfe mit Aloe Vera auf seinen Reisen mit. Selbst Paracelsus soll schon die Heilwirkung der Pflanze gekannt haben.

In der ältesten bekannten Arzneimittellehre, der Materia medica aus dem 1. Jahrhundert vor Chr., beschreibt der griechische Arzt Dioscorides die Anwendung des Aloe - Saftes bei zahlreichen Beschwerden. Im Mittelalter stand die Aloe in jedem Klostergarten. Von Spanischen Jesuiten wurde die Aloe vera im 16. und 17. Jahrhundert von Ihren Entdeckungsreisen, in die neue Welt verbracht. Von der Insel Barbados verbreitete sich die Aloe nach Süden. So fand sie Eingang in die indianische Volksmedizin, wo man sie bis heute als Haus- und Allheilmittel schätzt.

Im indischen Ayurveda, der ältesten ganzheitlichen Heilmethode, findet Aloe vielfältige Anwendungsmöglichkeiten, z.B. als Verjüngungsmittel. Mahatma Ghandi soll Aloe vera während seiner langen Fastenperioden nicht nur als Nahrung, sondern auch zur Körperentschlackung verwendet haben.

Pflanzenanbau und Inhaltsstoffe

Der Anbau von Aloe vera erfolgt heute in zahlreichen Regionen der Erde. Hier sind vor allem Australien, Südamerika und Europa rund um das Mittelmeer zu nennen. Größere Anbaugebiete existieren auch in den Südstaaten der USA. Zur Gewinnung des Gels aus der Pflanze wird das frische Blattmark durch Erhitzen keimfrei gemacht. Hierdurch werden auch der enzymatische Abbau unterbunden und Wirksamkeitsverluste vermieden. Die Blätter sollten daher nach der Ernte möglichst schnell verarbeitet werden. Da das Blattmark von Aloe vera teuer ist, sollte die Herstellung sorgfältig kontrolliert werden.

Das Inhaltsstoffmuster des Blattmarks von Aloe vera ist vielfältig. Die Inhaltsstoffe können von Pflanze zu Pflanze variieren, abhängig von Anbau und Klima. Die natürliche Zusammensetzung der einzelnen Inhaltsstoffe mit den sich gegenseitig verstärkenden Effekten macht offenbar die einzigartige Wirkung der Aloe vera aus. Das Besondere ist somit das komplexe Zusammenspiel bioaktiver Inhaltsstoffe. Vitamine, aktive Enzyme, Mineralstoffe, Aminosäuren sowie Mono- und Polysaccharide z.B. die Aloverose gehören dazu.
Zu den Polysacchariden zählen die Aktivsubstanzen Acemannan und Aloerid.
Sie fanden jüngst wissenschaftlich große Beachtung. In klinischen Studien und In - vitro Untersuchungen wurde eine immunstimulierende, antivirale und antibakterielle Wirkung für diese Komplex - Kohlenhydrate aufgefunden.

Wirkungsqualitäten

Aloe vera soll die physiologischen Funktionen des Organismus anregen und für die Steigerung der körpereigenen Abwehrkräfte sorgen. Viele Effekte basieren auf Überlieferungen, werden aber zunehmend durch Ergebnisse moderner Forschung gestützt. So fand die Isolierung der Aktivsubstanz “Acemannan” aus Aloe wissenschaftliche Beachtung. Acemannan und das kürzlich entdeckte Aloerid tragen zur immunstärkenden Wirkung maßgeblich bei. Auch der Aloverosegehalt stellt ein Qualitätskriterium für orale Trinksäfte dar.
Acemannan wird für Hautgewebe, Sehnen, Bänder, Gelenke, Knorpel und Knochen als wichtig erachtet. Seit dem Altertum sind insbesondere die positiven Eigenschaften der Aloe vera auf die Hautzellen bekannt. An der Universität von Texas wies man in jüngerer Zeit nach, dass Aloe -vera- Gel die Zellerneuerung um das sechs- bis achtfache erhöht. Durch die Zufuhr lebensnotwendiger Vitalstoffe (z.B. Beta - Carotin, Vitamin C, E, Zink, Pantothensäure) wird die Bildung gesunder Haut und Schleimhäute gefördert. Die natürliche Erneuerung und die Elastizität der Hautzellen wird angeregt , was sich günstig auf Orangenhaut und Bindegewebserschlaffung auswirkt. So soll die vorzeitige Hautalterung gebremst, und die Hautzellen vor Umweltschädigungen geschützt werden. Aloe vera wirkt demnach einer vorzeitigen Hautalterung entgegen, sie besitzt einen Anti - Ageing Effekt.

Pharmazeutische Qualitäten und Besonderheiten

In der täglichen Praxis von Apotheke u. Reformhaus werden vor allem orale Trinksäfte zur Nahrungsergänzung und Hautgele mit Aloe - vera Auszügen zur Körperpflege abgegeben. Aloe - vera Blattgele sind vor allem wegen Ihrer feuchigkeitsbindenden Eigenschaften bei Kunden sehr beliebt. Ebenfalls finden Hand- und Körperlotionen oder Seifen mit Aloe vera Zusätzen ihre Liebhaber. Die kosmetisch pflegenden Eigenschaften der echten Aloe für die Haut werden hier besonders geschätzt. Kapseln mit einem getrockneten Extrakt der Aloe - vera Blattfilets (z.B. von Bergland), die ebenfalls auf dem Markt sind, haben nach meiner Erfahrung eher eine geringe Bedeutung. Aloe Vera Koerpercremes erfreuen sich demgegenüber z.Zt. einer hohen Popularität.

Pflanzensaft der Aloe vera

Die in Aloe vera enthaltenen Nähr- und Vitalstoffe bilden eine einzigartige Mischung
und machen Pflanzensäfte zu einem optimalen Nahrungsergänzungsmittel. Mit dem IASC - Gütesiegel zertifizierter Pflanzensaft enthält nur naturreine Rohstoffe und ist frei von Aloin. Eine leicht abführende Wirkung ist bei Aloin - freien Säften praktisch nicht vorhanden. Die internationale Kontrollbehörde International Aloe Science Council (I. A. S. C.) prüft Kriterien wie, Frische der Blattgele, Mineralsalzgehalt und Feststoffgehalt. Sie trennt hierdurch bei Aloe - Vera- Gelen Spreu vom Weizen.

Zusammenfassung / Fazit :

Aloe - vera Pflanzensaft, für die Kosmetik schon seit Jahren ein wichtiger Rohstoff, erlebt in jüngerer Zeit als orale Trinkzubereitung eine Renaissance. Da Aloe vera -Präparate Nahrungsergänzungsmittel sind, unterliegen Sie dem Lebensmittel - und Bedarfsgegenständegesetz und dürfen nicht mit einem Anwendungsgebiet werben. Die Qualität des Pflanzensaftes ist stets vom Zusammenwirken einzelner Inhaltsstoffe abhängig. Bei der Auswahl von Aloe - vera Präparaten sollte man darauf achten, dass keine Zusätze von Streckungsmitteln enthalten sind und die eingesetzten Aloe-Rohstoffe das I.A.S.C - Gütesiegel tragen. Der aus der Pflanze gewonnene Saft ist nur so gut, wie die Umgebung, in der sie aufwächst. Ein Nachweis der Aufzucht unter ganzjährig optimalen klimatischen Bedingungen, ohne den Einsatz von Pestiziden und künstlichen Düngemitteln sollte vorliegen.

Literatur beim Verfasser erhältlich

Thomas Knaier, Apotheker/Journalist, Hauptstrasse 89F, 82327 Tutzing, Tel. 08158/997656, Fax 08158/997655

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