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Beinwell (Symphytum officinale L.)

Schon die heilige Hildegard und Paracelsus arbeiteten gerne mit Beinwell als Mittel zur Wundheilung und bei Knochenbrüchen - er zählt zu den ganz altbewährten Heilpflanzen. Man unterscheidet den heimischen Beinwell (Symphytum officinale) und den ursprünglich aus Sibirien stammenden Symphytum peregrinum, auch Comfrey genannt.

Blätter (Folia Symphyti) und Wurzeln (Symphyti radix) werden zu Heilzwecken verarbeitet.

 

Wirkstoffe, die enthalten sein können:

Allantoin (dieses natürliche Allantoin wirkt viel wundheilender als synthetisch hergestelltes), Consolidin (Glykosid), Schleim- und Gerbstoffe, Pyrrolizidinalkaloide, Symphyto-Cynoglossin (leicht betäubendes und schmerzlinderndes Alkaloid), Harze, Cholin und Spuren von ätherischem Öl, Kieselsäure 

Eventuelle Wirkungen:

  • wundheilend
  • entzündungshemmend
  • reizmildernd
  • regt angeblich die Kallusbildung an , was bei Knochenbrüchen zum Zusammenwachsen wichtig ist
  • soll das Zusammenwachsen der Knochen fördern
  • fördert Geweberegeneration (durch die Kieselsäure)
  • soll die roten Blutkörperchen vermehren und die Hauttemperatur erhöhen

Heilanzeigen, von denen teilweise berichtet wird:

  • Knochenbrüche, Knochenverletzungen
  • Knochenhautverletzungen
  • Bluterguss und Quetschung
  • Prellung - auch Prellung des Augapfels
  • Verstauchung mit schmerzhafter Verletzung des Binde- und Nervengewebes
  • Wunden, die schlecht heilen (Wirkung des Allantoins) oder Wunden mit Gewebeverlust
  • Drüsenschwellungen
  • Venenentzündungen, Krampfadernstauungen und Sehnenscheidenentzündungen
  • rheumatische Beschwerden
  • Arthrose und Gichtknoten
  • schmerzhafte, empfindliche Amputationsstümpfe
  • Blutungen (unbedingt ärztlichen Rat einholen! - wie z.B. Bluthusten, Blutharn, starke Regelblutung)
  • Parodontose

Hinweis:

Eine innerliche Anwendung ist wegen einer eventuellen krebserregenden und leberschädigenden Wirkung (aufgrund der Pyrrolizidinalkaloide) gut abzuwägen.

Einige Möglichkeiten der Anwendung/Dosierung:

Zerkleinerte oder gemahlene Wurzeln und teilweise auch Blattextrakte werden zu einem Breiumschlag oder auch in Salben verwandt. Der Wurzelschleim gerinnt beim Abkochen.

Beinwell - Breiumschlag:

Soweit vorhanden frische Wurzel zerstampfen und auf ein Tuch streichen. Ansonsten getrocknete pulverisierte Wurzel als Pulver mit heißem Wasser verrühren, bis ein schleimiger, fester Brei entsteht. Auf ein Tuch streichen und als Breiumschlag über Nacht auf die betreffende Körperstelle auflegen.

Beinwell - Umschläge:

100 g kleingeschnittene Wurzel (kann frisch oder getrocknet sein) mit 1 Liter Wasser 10 Min kochen und abseihen. Den Sud warm bis heiß für Umschläge oder als Badezusatz verwenden.

Beinwell - Extrakt:

Fertig-Arznei aus der Apotheke bei Parodontose:
Direktes Massieren des Zahnfleisches mit Beinwell-Extrakt oder 2 x täglich Spülen mit einem Eßlöffel warmem Wasser und 20 Tropfen Beinwell-Extrakt (auch in Kombination mit Myrrhe-Extrakt oder Ringelblumen-Extrakt)

Beinwell - Salbe:

Hilfreich bei Wunden, Blutergüssen, Phantomschmerzen, Unterschenkelgeschwür, Sehnenscheidenentzündung, Kniegelenksbeschwerden

Historisches und Wissenswertes:

Die Wurzeln werden im Frühjahr oder evtl. auch noch im Herbst ausgegraben. Sie können frisch verwendet oder an der Sonne getrocknet werden. Der Allantoingehalt der Wurzel ist in den Monaten Januar, Februar und März am höchsten und nimmt dann kontinuierlich ab. Ab April ist es in den Schösslingen, Blüten und Knospen nachweisbar.

Der lateinische Name leitet sich vom griechischen Wort für "zusammenwachsen" = "symphyein" ab und zeigt die Bedeutung der Pflanze für Knochenbrüche.

Der "kanadische Beinwell" oder Comfrey wird größer und ist weniger borstig behaart. Comfrey ist eine wertvolle Vieh-Futterpflanze, die bis zu sechsmal im Jahr nachwächst und sehr eiweiß- und vitaminreich ist.

Die frischgeschabte Wurzel wurde als Pflaster bei Hieb-, Stich- und Schnittwunden eingesetzt.

Besonders Hummeln lieben diese Pflanze und sind maßgeblich an der Bestäubung beteiligt.

Früher wurde der Schleim aus den Wurzeln gekocht und zur Geschmeidigmachung von Leder oder Kamelhaar etc. eingesetzt.

Botanische Beschreibung:

Familie: Rauhblattgewächse (Boraginaceae)
Bodenbeschaffenheit/Standort: Bachufer, Gräben, Waldränder und feuchte Wiesen; von der Ebene bis in ca. 1.500 m Höhe, beheimatet in Asien und Europa
Erscheinung: kräftige Staude, borstenartig behaart, wird 1 bis 1,5 Meter hoch
Blätter: lang (bis 25 cm), spitz zulaufend, Blattstiel ist mit dem Stängel verwachen
Blüten: Blütezeit Mai - August, kronenförmig angeordnet und verwachsen, rötlich/violett oder gelblich/weiß, nach unten geneigt und zum Boden hin geöffnet
Wurzel: in Form einer Rübe, innen fleischig, lilienweiß, außen schwarz, wenn sie im Boden durchtrennt wird, wächst die Wurzel wieder zusammen.

Weitere interessante Seiten zu den hier beschriebenen Krankheitsbildern:

Rheuma und RückenproblemeKneipp'sche Wickel bei Verstauchungen, Heilpflanzen bei offenem Unterschenkelgeschwür und schlecht heilenden Wunden: z.B. Brennnessel, Ringelblume, Sauerstoffmehrschritttherapie nach Prof. Ardenne, HOT-Therapie, Ozontherapie, Venenbeschwerden

Weiterführende Literatur: ):

In Zeitschrift der Naturarzt 6/2000: H. Pechatschek: Beinwell - Das große Geschenk der Natur

Viel Wissenswertes zum Beinwell und zu anderen Heilpflanzen ist zu lesen in: "Medizin der Erde" von Susanne Fischer, Reihe "Irisiana" im Verlag Hugendubel, ISBN 3 88034 226 1

Bearbeitet von Claudia

Bitte beachten Sie, dass auch pflanzliche Arzneimittel nicht zum Dauergebrauch geeignet sind und befragen Sie bei länger andauernden  Beschwerden in jedem Fall Ihren Arzt. 

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