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Von Apotheker Thomas Knaier
Selen – ein lebenswichtiger Mikronährstoff für unseren
Organismus
Was ist eigentlich Selen ?
Selen, ein chemisches Element, das in seiner Chemie sehr
nahe mit Schwefel verwandt ist, wurde im Jahre 1817 von dem schwedischen
Chemiker Jöns Jakob Berzelius entdeckt. Es dauerte allerdings bis zum
Jahre 1957 als Forscher entdeckten, daß Selenmangel in der Nahrung von
Tieren zu Krankheiten und Wachstumsstörungen am Knochen- und
Muskelapparat führt und Selen auch für den Menschen lebensnotwendig (=
essentiell) in ist. Da Selen vom Menschen jedoch nur in sehr geringen
Mengen, also in Spuren benötigt wird, wurde es als Spurenelement
bezeichnet. Gewichtsangaben bei Spurenelementen erfolgen in Mikrogramm
(1µg), was einem Millionstel Gramm entspricht.
Wirkungen im menschlichen Organismus
Selen ist in nahezu allen Flüssigkeiten und Zellen des
menschlichen Körpers zu finden. Recht hohe und damit messbare
Konzentrationen finden sich in absteigender Menge in Schilddrüse,
Nieren, Leber, Hoden, Milz, Herz, Prostata, Lunge, Skelettmuskulatur ,
Gehirn und Blut, sowie der Gallenflüssigkeit. Der gesamte Körperbestand
beläuft sich nur auf etwa 20 mg, wo von der Löwenanteil, nämlich 45,7 %
in der Skelettmuskulatur zu finden ist. Selen ist Bestandteil von 20
bisher bekannter und wahrscheinlich noch viel mehr unbekannter Proteine,
die ohne Selen nicht funktionieren würden. Die prominenteste Wirkung von
Selen ist aber sicher die gegen Krebs. Dabei werden heute aktuell etwa
drei Wirkungsweisen des Spurenelementes ausgemacht. Zum ersten hilft das
Spurenelement dabei, die Krebszellen in den Selbstmord zu treiben,
darüber hinaus werden unter dem Einfluss von Selen Stoffwechselprodukte
gebildet, die das Tumorwachstum hemmen. Die neueste Entdeckung ist, dass
das Spurenelement die Bildung bestimmter Oberflächenmoleküle auf den
Krebszellen hemmt, so dass die Tumorzellen besser erkannt werden.
Selen und Ernährung des Menschen
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt
Erwachsenen täglich 30 bis 70 µg Selen mit der Nahrung aufzunehmen.
Amerikanische und britische Fachleute empfehlen noch höhere Dosen, 80
bis 100 µg, für Risikogruppen, wie Raucher sogar bis 200 µg Selen mit
der Nahrung zu zuführen. Da aber in unserer Nahrung Selen an Eiweiß
gebunden ist, sind eiweißreiche Lebensmittel, wie Fleisch und Fisch, in
gewissem Ausmaß auch Vollkorn besonders selenreich. Pflanzliche
Lebensmittel, wie Obst, Gemüse und Getreideprodukte sind in unseren
Breiten hingegen extrem arm an Selen. Sie tragen in Deutschland nur etwa
zehn Prozent zur gesamten Selenaufnahme bei. Nur Sesam - , Kokos - ,
Paranüsse und Weizenkleie sind gute pflanzliche Selenspender.
Vorkommen in der Nahrung :
Selenreiche Nahrungsmittel Gewichtsmenge µg
• Hering 100 g 140
• Thunfisch 100 g 130
• Sardine 100 g 85
• Sojabohnen 100 g 60
• Weizenvollkornbrot 100 g 55
• Leber 100 g 40 - 60
• Rindfleisch 100 g 35
• Schweinefleisch 100 g 31
• Dorsch, Lachs 100 g 25
• Weiße Bohnen 100 g 22
• Milchprodukte 100 g 4-10
(nach: Burgersteins Handbuch Nährstoffe, 10.Aufl., 2002
)
Selenmangel und seine Folgen
Die Konzentrationen an Selen in den Böden können von
Region zu Region sehr stark schwanken. Während man auf dem
amerikanischen Kontinent, z.B. im US – Bundesstaat North Dakota und in
Kanada außergewöhnlich hohe Selenwerte in den Böden misst, sind die
Böden in den Alpenländern meist selenarm. Diese Ausgangslage führt über
die Ernährung zu sehr unterschiedlichen täglichen Selenzufuhrmengen in
einzelnen Ländern. Mitteleuropäische Länder, Skandinavien, Neuseeland
und auch China gelten als „an Selen im Boden arme Länder“. Darüber
hinaus können chronisch – entzündliche Erkrankungen und
Schwermetallbelastungen einen Selenmangel noch verstärken. Die
durchschnittliche Tagesaufnahme kann in den einzelnen Ländern zwischen
10 – 500 µg schwanken. In Deutschland ergab eine jüngste Untersuchung
die Durchschnittszufuhr von 55 µg pro Tag. Folgen des Selenmangels
können Herzvergrößerung und Herzinsuffizienz, rheumatische Entzündungen,
Haarveränderungen, Augenerkrankung, Fertilitätsstörung, Immunschwäche
und Aufhellen von Haut und Haaren sein.
Nachweiß von Selen im Blut
Die Selenbestimmung erfolgt heute üblicherweise aus dem
Vollblut. Darunter versteht man nicht geronnenes Blut, dass noch alle
korpuskulären Bestandteile, wie rote und weiße Blutkörperchen enthält.
Die Selenbestimmung muß in aller Regel in Speziallaboratorien
durchgeführt werden, in die der Hausarzt die Probe nach der Blutentnahme
schickt. Die Labors führen die Tests heute schon routinemäßig zu relativ
günstigen Preisen durch. Krankenkassen lehnen aufgrund des günstigen
Preises die Kostenübernahme aber oftmals ab. Experten halten einen
Selengehalt zwischen 120 und 160 µg pro Liter Vollblut für optimal, bei
chronischen Krankheiten eher noch höher.
Selen in der Vorbeugung von Krebs
Die verfügbaren wissenschaftlichen Studien, von denen es
zur Zeit etwa drei große klinische Studien gibt, die in den 80er und
90er Jahren durchgeführt wurden, weisen klar auf eine vor Krebs
schützende Wirkung von Selen hin. So wurde darin deutlich, dass das
Risiko an Krebs zu erkranken, bei schlechter Selenversorgung um das zwei
bis sechsfache ansteigt. Die größte und aussagekräftigste Studie war die
sogennante Clark – Studie, in der nachgewiesen wurde, dass Menschen, die
täglich eine Zusatzmenge an Selen zu sich nahmen, nur halb so häufig an
Krebs verstarben, wie Personen, denen man ein Placebo gab. Die
Schutzwirkung muß man sich hier auf verschiedenen Ebenen vorstellen. Das
Spurenelement stärkt unser Immunsystem, hilft beim Auffinden und
Beseitigen einzelner Krebszellen, bevor eine Krebserkrankung entstehen
kann und stärkt vor allem unsere antioxidativen Schutzmechanismen. Es
wird sogar seit kurzem diskutiert, dass Selen bei der Reparatur bereits
geschädigter Gene mithelfen soll und dadurch das Krebsrisiko senkt.
Selen zur Behandlung von Krebs
Zahlreiche Untersuchungen und Studien an Menschen,
Tieren und Zellkulturen lassen den Schluss zu, dass Selen die
Krebsentstehung in verschiedenen Stadien und die Entwicklung von
Krebszellen hemmt, bzw. verhindert. Als belegt gilt, dass Krebspatienten
erniedrigte Selenspiegel im Serum und Vollblut aufweisen und eine
verminderte Aktivität des Schutzenzyms Glutathionperoxidase haben. Es
zeigt sich auch, dass je fortgeschrittener die Tumorerkrankung ist, umso
niedriger die Selenspiegel liegen. Ein besonders deutlicher Zusammenhang
ergibt sich bei der Häufigkeit von Prostata-, Enddarm- und Lungenkrebs
(USA), Magen- und Leberkrebs (China) und der Selenaufnahme der
Bevölkerung.
Aus genannten Studien kommen die Forscher zu dem
Ergebnis, dass der Selenwert im Blutserum (=klare Flüssigkeit ohne
Blutkörperchen) bei 135 Mikrogramm pro Liter oder 160 Mikrogramm pro
Liter Vollblut liegen sollte. In anorganischer Form als Natiumselenit
hat Selen in der Behandlung von Krebserkrankungen, ergänzend zu Standard
– Therapien wie Operation, Bestrahlung und Chemotherapie Bedeutung. Die
Nebenwirkungen sollen gemindert und das körpereigene Abwehrsystem
gestärkt werden. Als praktische Einnahmeform stehen Tabletten, Tropfen
und Trinkampullen in der Apotheke zur Verfügung.
Einnahme von Selen und richtige Dosierung
Selen kann in Form von organischen Selenverbindungen,
wie Selenomethionin in der Bierhefe oder als anorganisches
Natriumselenit eingenommen werden. Die britische
Ernährungswissenschaftlerin und Expertin für Selen Margret Rayman
empfiehlt täglich etwa 80 – 100 µg zu sich zu nehmen, während
amerikanische Selen – Forscher die Einnahmedosis auf 110 – 200 µg pro
Tag ansetzen. Zur Prävention von Krebs und anderen chronischen
Erkrankungen gilt heute allgemein anerkannt die Faustformel, zusätzlich
zur Nahrung noch täglich 50 – 100 µg Selen sich zuzuführen. Bei
Patienten, die Krebs haben, finden in aller Regel 100 bis 300 µg pro
Tag, während einer Chemo- oder Strahlentherapie sogar 1000 Mikrogramm
täglich für einen kurzen Zeitraum Anwendung. Nebenwirkungen werden bei
Einhaltung der empfohlenen Dosierungsrichtlinien, unter ärztlicher
Überwachung im Regelfall nicht beobachtet. Erst bei sehr langer Einnahme
in sehr hohen Dosen können Vergiftungserscheinungen, wie z.B.Übelkeit
auftreten. Selenprodukte können vor, zu oder zwischen den Mahlzeiten
eingenommen werden. Ein Selenpräparat mit Natriumselenit sollte jedoch
nie gleichzeitig mit Vitamin C, sondern mdsts. 1 Stunde später
eingenommen werden !
Ausblick: Selenversorgung in westlichen
Industriestaaten
Deutschland zählt natürlicherweise zu einer Region auf
der Erde, deren Böden, besonders wenig Selen enthalten. Genauso wie das
Spurenelement Jod wurde Selen während und nach der Eiszeit aus den
oberen Bodenschichten ausgewaschen. Durch die intensive
landwirtschaftliche Nutzung und die Versauerung der Böden wird das im
Erdreich vorhandene Selen festgehalten und an enthaltene Schwermetalle
gebunden. Die Folge ist, dass das wenige im Boden vorhandene Selen für
die Pflanzen nun auch noch schwerer bioverfügbar ist. Durch die in
Zukunft eher noch steigende intensive Nutzung der Böden dürfte sich die
Hoffnung auf selenreichere Nahrung eher zerstreuen. Als Fazit lässt sich
ziehen, dass eine Unterversorgung mit Selen in unseren Breiten eher die
Regel, denn die Ausnahme ist. Durch Einnahme von Selenpräparaten kann
und sollte daher einer Unterversorgung in unseren westeuropäischen
Ländern konsequent vorgebeugt werden.
Literatur beim Verfasser erhältlich
Thomas Knaier, Apotheker/Journalist, Hauptstrasse 89F,
82327 Tutzing, Tel. 08158/997656, Fax 08158/997655
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